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Lianne Haupt aus Sachsen

 
Mein Name ist Lianne Haupt. Ich bin in den 1960-er Jahren im Februar in einem kleinen Dorf in Sachsen in der damaligen DDR als viertes Kind geboren worden. Die ersten Jahre meiner Kindheit verbrachte ich sehr behütet mit meiner Mutter zu Hause. Leider verstarb sie sehr früh, als ich erst elf Jahre alt war. Dieser Verlust verfolgt mich heute noch. Der Glaube zu Gott hat mir Kraft gegeben, obwohl ich nicht zur Kirche gehen durfte. Man hätte schon gehen können, aber dann wäre man gleich von der Stasi besonders überwacht worden und man konnte leider auch nicht allen Pfarrern vertrauen. Mein Vater heiratete erneut und bescherte mir damit eine Stiefmutter, die der von Aschenputtel Konkurenz gemacht hätte. Ich beendete meine Schule nach der 10. Klasse und begann eine Lehre zur Hutmacherin. Viel lieber hätte ich Schneiderin gelernt, aber die Ausbildungsplätze wurden zentral zugeteilt und wenig Rücksicht auf persönliche Vorlieben genommen. Das Lehrjahre keine Herrenjahre sind, habe ich genau so erfahren müssen. Ein grosser Lichtblick in dieser Zeit, war das Kennenlernen meines Mannes Martin. Der gelernte Hufschmied eroberte mein Herz mit seinem steten Frohsinn und seiner optimistischen Art. Er war meine erste und letzte grosse Liebe. Wir arbeiteten sogar einige Zeit gemeinsam in einer Bürstenfabrik. Nachdem wir geheiratet hatten, durften wir eine Dachkammer im Ort beziehen. Der Wohnungsmangel begleitete mich einen Großteil meines Lebens. Als unsere einzige Tochter geboren wurde, war es schon ein bisschen eng in der Wohnung, aber wir machten das Beste daraus. Mein Mann bekam eine gute Arbeit bei der WISMUT, dem Bergbauunternehmen der DDR und ich konnte mit unserer Tochter zu Hause bleiben, bis sie eingeschult wurde. Das war sehr ungewöhnlich, da die meisten Kinder in den Kindergarten oder auch schon in die Kinderkrippe gebracht wurden. Wir fanden das aber zu früh, um ein Kind den ganzen Tag abzugeben. Mit einem Gehalt in der DDR zu überleben, war ganz gut machbar. Die Dinge des täglichen Gebrauchs waren sehr günstig und man musste niemals hungern. Für Luxus, wie zum Beispiel Auto oder Fernseher, mussten wir aber fleissig sparen. Da man auf diese Dinge aber auch lange warten musste, hatte man dann auch das Geld gespart. Unvergessen ist mir immer noch die Freude über unseren ersten Trabant, den wir über 20 Jahre fuhren und hegten und pflegten. Als ich wieder arbeiten wollte, bekam ich sofort eine Stelle bei uns im Ort in der HO Verkaufsstelle für Textilien. Dort arbeitete ich bin zu meinem Ruhestand sehr gerne und konnte auch immer die schönsten Kleidungsstücke für meine Familie organisieren. Am Schönsten war aber der tägliche Kontakt mit den Kunden. Lange bewarben wir uns für eine Wohnung mit Kinderzimmer und nach 15 Jahren war es endlich soweit. Wir bekamen eine Neubauwohnung zugeteilt und zogen um. Mit dem Bus konnte ich meine Arbeitsstelle gut erreichen und mein Mann fuhr mit unserem Trabant zur Arbeit. Ich lebe heute noch in dieser Wohnung und von der lang ersehnten Anbauwand werde ich mich auch nicht mehr trennen. Unsere liebsten Urlaubsziele waren die Ostsee, Ungarn und Bulgarien. Meist schliefen wir im Zelt oder mieteten uns bei Privatpersonen ein. Hotels lernte ich erst nach der Wende kennen, als wir ganz Europa bereisten. Die Jahre verstrichen, unsere Tochter studierte und bekam selbst ein Kind. Nun bin ich seit einigen Jahren Witwe und erhalte eine gute Witwenrente dank der WISMUT.
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