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Lebensgeschichte von Käthe aus Ostdeutschland

Ich bin Käthe. 1942 wurde ich in die wohl schwierigste Zeit Deutschlands hineingeboren. Aber das kann man sich eben nicht heraussuchen. Vom Krieg bekam ich zum Glück nicht viel mit. Nur aus den Erzählungen meiner Eltern konnte ich mir ein viel zu genaues Bild des Schreckens machen. Meine ersten Erinnerungen sind trotzdem zerstörte Häuser, wenig zu essen und kaum Spielsachen. Schritt für Schritt wurde es aber besser und in unserer DDR hatte niemand mehr Hunger zu leiden. Frieden war besonders wichtig und das oberste Ziel. Wir lebten recht beschaulich in einer Kleinstadt weit im Osten und meine Eltern arbeiteten beide bei der LPG. Das war die landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft, die riesige Felder bewirtschaftete und grosse Ställe versorgte. So war auch ich oft in der Natur und fühlte mich auch dort am wohlsten. In der Schulzeit hatten wir viele Arbeitseinsätze bei unserer LPG und ich bekam eine Lehrstelle dort zugeteilt. Da ich mich um die Tiere kümmern durfte, war ich zufrieden damit. Nach meiner Lehrzeit lernte ich meinen Mann Peter kennen. Er war Lehrer in einer Oberschule und wirklich sehr klug. Wir zogen in einen der umliegenden Neubaublöcke und waren sehr stolz auf unsere schöne, neue Wohnung. Vom Wohnzimmerfenster aus konnten wir die Felder sehen. Am liebsten machten wir lange Spaziergänge und unterhielten uns viel. Er interessierte sich für alles, was ich erlebte und eines Tages eröffnete er mir, dass er bei der Staatssicherheit arbeiten würde. Ich war zuerst erschrocken und überlegte, ob ich irgendwann einmal etwas Falsches gesagt hatte. Aber er beruhigte mich schnell und schlug mir vor, ihm zuzuarbeiten. Irgendwann arbeitete ich nicht mehr nur zu, sondern selbst mit. Ich wollte einen Teil dazu beitragen, dass die DDR noch sicherer wird und niemand den Frieden zerstört. Natürlich lohnte sich die zusätzliche Arbeit auch finanziell. Uns ging es wirklich gut und wir konnten bald einen Wartburg unser Eigen nennen. Die schönste Zeit in unserem Leben war aber die Zeit mit unseren Kindern. Wir hatten eine Tochter und einen Sohn. Zum Glück konnten wir in eine grössere Wohnung mit zwei Kinderzimmern und einem Balkon umziehen. Während wir arbeiteten, wurden unsere Kinder in der Kinderkrippe und später im Kindergarten gut betreut. Als die Wende kam, begann eine schwierige Zeit für uns. Die LPG wurde geschlossen und ich verlor meine Arbeit. Meinem Mann ging es genauso, da die Schule in der er arbeitete auch geschlossen wurde. Wir fielen beide in ein tiefes Loch, versuchten uns aber anzupassen. Eine Arbeit zu finden, schien fast unmöglich. Alle Betriebe wurden geschlossen. So entschieden wir uns, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen und Autos zu verkaufen. Wir hatten ein kleines Startkapital und daraus wurde mit der Zeit ein rentables Autohaus. Besonders in den ersten Jahren nach der Wende verkauften sich die Autos fast von allein, da jeder endlich ein schickes Auto haben wollte. Nun haben unsere Kinder das Geschäft übernommen. Es ist ein bisschen schwieriger geworden, aber sie sind sehr fleissig und haben gute Ideen. Wir leben nun in einem schönen Haus, nicht mehr in der Neubauwohnung und geniessen unsere Rente.

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