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Historische Entstehung und Geschichte von Seniorenresidenzen

Die Seniorenresidenz oder Seniorenresidenzen gehören heute zum gewohnten Bild bereits kleinerer deutscher Städte. Dieser Standard aber existierte längst nicht zu allen Zeiten. So nahm die Entwicklung von Seniorenresidenzen erst im neuzeitlichen Westeuropa ihren Anfang. Vor allem hier förderten konkrete gesellschaftliche und historische Umstände ihre Entstehung.

Landflucht und Stadtleben

Dass etwa im Mittelalter die Frage vom Wohnen im Alter weniger Relevanz besaß, als dies heutzutage der Fall ist, lässt sich unter anderem auf die geringere Lebenserwartung der Menschen zurückführen. In erster Linie waren es zu dieser Zeit kirchlich gestiftete Einrichtungen, die jene aufnahmen, die ihren Lebensunterhalt nicht mehr aus eigener Kraft bestreiten konnten.
Die rasche Verbreitung von Städten zu Beginn der Neuzeit allerdings brachte einige Veränderungen. Die Menschen lösten sich zunehmend aus ihren dörflichen Gemeinschaften, um in der Stadt ihr Glück zu versuchen. Hier konzentrierte sich mehr Vermögen. Zudem war die Arbeit im Handwerk, Handel oder der Verwaltung weniger kräftezehrend als jene in der Landwirtschaft. Ein hohes Alter zu erreichen, war im städtischen Umfeld folglich keine Ausnahme mehr. Zünfte und Gilden trafen Vorkehrungen für ihre Mitglieder, um sie für den Lebensabend oder im Fall von Krankheit abzusichern. Für jene Bürger, die weder durch einen Familien- noch Gewerbeverbund abgesichert waren, wurden Spitäler eingerichtet. Gegen Bezahlung wurde hier eine umfängliche Betreuung angeboten. Diese Institutionen können am ehesten als die Vorgänger der Seniorenresidenz oder Seniorenresidenzen gelten.

Auflösung der Großfamilie

Als die Industrialisierung im Laufe des 18. Jahrhunderts an Fahrt aufnahm, änderten sich die Lebensumstände erneut. Die ländliche Großfamilie war immer mehr in Auflösung begriffen, zugleich stieg die durchschnittliche Lebenserwartung. Die „Soziale Frage“ war eines der zentralen politischen Themen im Deutschland des 19. Jahrhunderts. Pensionsfonds und Sozialversicherungen waren die Antwort. Durch sie wurde das Alter erstmals zu einem eigenen Lebensabschnitt erklärt; charakterisiert durch den verdienten Ruhestand nach einem aufreibenden Arbeitsleben. Institutionen, die sich zuvor lediglich auf das Kriterium der Arbeitsunfähigkeit konzentriert hatten – unabhängig davon, ob diese aus einer Krankheit oder dem fortgeschrittenen Alter einer Person resultierte –, bildeten nun Spezialisierungen aus. Doch auch diese Einrichtungen, die zumeist Menschen ab 70 Jahren offenstanden, unterschieden sich noch sehr von dem Standard, den die Seniorenresidenz oder Seniorenresidenzen unserer Zeit besitzen.

Mehr als nur ein Bett

Erst eine Gesellschaft, die zunehmend den Menschen als Individuum in ihren Mittelpunkt stellte, breitete auch das seniorengerechte Wohnen aus. Im 20. Jahrhundert entstanden zunehmend Heime, die alle gesellschaftlichen Schichten ansprachen.
In der Nachkriegszeit besaßen viele Einrichtungen noch immer den Charakter eines Krankenhauses. Im Land des Wirtschaftswunders wuchs jedoch zunehmend das Bewusstsein, die Versorgung im Alter könne sich nicht weiterhin auf lediglich ein Bett zum Schlafen und das Nötigste an Pflege beschränken. Es waren insbesondere die 1980er Jahre, die einen Wandel einleiteten. Die konkreten Bedürfnisse der Bewohner wurden immer mehr hinterfragt. Die oft üblichen Mehrbettzimmer wichen Privaträumen. Das Personal wurde speziell geschult, Ausstattung und Beschäftigungsangebote der Seniorenresidenz oder Seniorenresidenzen ausgedehnt.

Selbstbestimmt im Alter

Heutzutage existiert ein breites Spektrum seniorengerechter Wohnmöglichkeiten, zu denen auch die Seniorenresidenz oder Seniorenresidenzen gehören. Ein Großteil der Einrichtungen hat es zum Ziel, den Bewohnern solang als möglich ein selbstbestimmtes Leben zu gestatten. Aufgrund der demografischen Entwicklung ist das Alter zu einem wichtigen Forschungsschwerpunkt des 21. Jahrhunderts geworden. Nicht nur die Medizin, auch die Architektur oder Robotik hat sich dem Thema angenommen. Flexible Pflege, barrierefreies Wohnen und Rückzugs- sowie Gemeinschaftsräume ermöglichen es heute, den eigenen Lebensabend unabhängig zu gestalten.

Text: ULI BECK & TEAM

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