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Elisabeth Odermatt, geb. Strauß

 

Elisabeth Strauß, Jahrgang 1941, kam in der fränkischen Kleinstadt Bad Windsheim zur Welt. Ihr Vater, der kurz nach ihrer Geburt zur Wehrmacht eingezogen wurde, kehrte erst 1948 aus der russischen Kriegsgefangenschaft zurück. Die Eltern betrieben eine kleine Gastwirtschaft mit angeschlossener Pension; schon früh half Elisabeth gemeinsam mit ihrem älteren Bruder Richard in der Küche und beim Servieren aus. Nach dem Beenden der Volksschule begab sich das Mädchen jedoch nicht, wie von den Eltern vorgesehen, in eine Anstellung als Köchin im heimischen Betrieb. Sie strebte vielmehr eine Ausbildung in einem Feinschmeckerlokal in der nächstgelegenen Großstadt Nürnberg an. Während die Mutter diesen Plan missbilligte, erfuhr Elisabeth vom Vater, der ihr auch beim Finden der Lehrstelle behilflich war, große Unterstützung. Tatsächlich schloss sie die Ausbildung als Zweitbeste ihres Jahrgangs ab, wechselte anschließend in ein Gourmetrestaurant nach München und meldete sich bereits wenige Jahre später für die Meisterschule an – für Frauen in der Bundesrepublik der 60er Jahre eine ungewöhnliche und schnelle Karriere.

Kurz nach ihrer Meisterprüfung lernte Elisabeth bei einer mehrtägigen Fortbildungsveranstaltung am Bodensee den Schweizer Koch Georg Odermatt kennen. Die beiden verliebten sich ineinander, und als ihnen nach einem halben Jahr Brief- und Fernbeziehung klar wurde, dass sie ihr Leben miteinander teilen wollen, zog Elisabeth kurzerhand zu Georg nach Luzern. Nach nur sechs Wochen wurde geheiratet – und im Frühjahr des Jahres 1969 kamen die Zwillinge Martin und Michael zur Welt. So sehr Elisabeth ihre Rolle als Mutter auch genoss, so sehr sehnte sie die Rückkehr in ihren Beruf herbei. Gemeinsam mit Georg plante sie die Eröffnung eines eigenen Lokals. Als die Brüder in den Kindergarten kamen, wurden die Pläne konkreter – eine Immobilie und Personal wurden gesucht, und Elisabeth arbeitete an außergewöhnlichen Speisekonzepten, die die typisch schweizerische Küche mit der immer populärer werdenden französischen Haute Cuisine kombinieren sollten. Im Januar 1973 wurde das „Savoir Vivre“ dann eröffnet und erfuhr von Anfang an großen Zulauf. Dieser nahm während der kommenden Jahrzehnte keinen Abbruch, was insbesondere der Innovationskraft und Energie Elisabeths geschuldet war, die es (mit Hilfe mehrerer Kinderfrauen und einer grundsätzlich entspannten Geisteshaltung) schaffte, das erfolgreiche Lokal mit einem harmonischen Familienleben zu vereinen.

Als Georg im Jahr 2002 einem schweren Krebsleiden erlag, führte Elisabeth das Lokal noch zwei Jahre alleine weiter, bis ihr Sohn Martin – zwischenzeitlich selbst Küchenmeister – sein eigenes kleines Weinlokal verpachtete, im mütterlichen Betrieb einstieg und als ausgebildeter Sommelier zusätzliche Impulse einbrachte. Erst mit knapp 70 Jahren überließ Elisabeth ihrem Sohn das Lokal vollständig und setzte sich zur Ruhe. Bis heute lebt sie in Luzern, und laut eigenem Bekunden fällt es ihr schwer, „zum ersten Mal in ihrem Leben nichts zu tun“. Sie genießt ihre drei Enkel (Martin ist kinderlos geblieben, aber Michael, der im benachbarten Hergiswil lebt, hat zwei Töchter und einen Sohn) und lange Spaziergänge am Vierwaldstättersee.

Text: ULI BECK & TEAM
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